“Schulgipfel” vereinbart schnelle Anschaffung von Lehrerlaptops

Bund und Länder wollen die Schuldigitalisierung unter dem Eindruck der Corona-Krise vorantreiben. Bei einem Treffen im Kanzleramt wurde am Montagabend dafür eine weitere Finanzzusage gemacht. Konkrete Beschlüsse gab es ansonsten nicht.

Die 800 000 Lehrer in Deutschland sollen möglichst zügig ihre versprochenen Dienstlaptops bekommen. Bei einem Treffen am 21. August 2020 im Kanzleramt verabredeten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), SPD-Chefin Saskia Esken und die Kultusminister aus 14 Ländern entsprechende Schritte zur Finanzierung. “Ausdrücklich zu begrüßen ist die Bereitschaft der Bundesregierung, noch in diesem Jahr die Beschaffung der Endgeräte für Lehrkräfte zu ermöglichen”, sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) nach dem Gespräch.

Der Bund will die für die Lehrergeräte veranschlagten 500 Millionen Euro zunächst vorstrecken, damit die Anschaffung schneller geht. Erst nachträglich soll die Finanzierung dann, wie von der großen Koalition ursprünglich vereinbart, aus dem 750 Milliarden Euro schweren Corona-Aufbaufonds der EU erfolgen, den die EU-Mitglieder vereinbart hatten. Dieser Fonds muss erst noch aufgebaut werden.

Bekräftigt wurde bei dem Treffen im Kanzleramt außerdem, dass sich der Bund mit 500 Millionen Euro an den Kosten zur Ausbildung und Finanzierung von Administratoren, die sich um die Technik an den Schulen kümmern sollen, beteiligen will. Nach früheren Angaben von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ist die entsprechende Vereinbarung dazu schon “fast unterschriftsreif”.

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Fortschritte gibt es der CDU-Politikerin zufolge beim Thema Daten-Flatrate für Schüler. Eine solche Zehn-Euro-Flatrate hatten Merkel und einige Ländervertreter im August bei ihrem ersten Schultreffen vereinbart. Sie habe mit einigen Telekommunikationsanbietern gesprochen, andere hätten sich dem angeschlossen, “so dass es eine Flatrate geben soll, für alle Schüler, einen Datentarif für zehn Euro pro Monat”, sagte Karliczek nach dem Treffen im Kanzleramt. Für bedürftige Schüler soll der Tarif kostenlos sein, finanziert aus dem Bildungs- und Teilhabepaket.

Zudem wurde der Aufbau einer bundesweiten Bildungsplattform und sogenannter digitaler Kompetenzzentren verabredet, in denen unter anderem Lehrer für die Arbeit mit digitalen Unterrichtsmitteln weitergebildet werden sollen. Dies hatten Union und SPD allerdings auch schon bei ihrem Koalitionstreffen Ende August vereinbart.

Kritik kam vom Verband Bildung und Erziehung. “Der große Wurf ist heute ausgeblieben”, sagte der Vorsitzende Udo Beckmann. Er sprach von Absichtserklärungen und fehlendem Bewusstsein für die notwendige Geschwindigkeit. Der Verband hatte, wie auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, neben dem Thema Digitalausstattung auch auf Fortschritte beim Infektionsschutz mit Blick auf die kalte Jahreszeit gedrängt und einheitliche Regeln für den möglichen Einsatz von Luftfiltern und Kohlendioxid-Messgeräten gefordert.

KMK-Präsidentin Hubig kündigte nach dem Treffen im Kanzleramt für diesen Mittwoch ein Gespräch mit Experten zum Thema Lüftungshygiene an, “um auf Grundlage wissenschaftlicher Expertise beraten zu können”.

Die Beratungen im Kanzleramt standen auch unter dem Eindruck gestiegener Infektionszahlen in Deutschland und in den europäischen Nachbarländern. In mehreren Bundesländern waren seit Beginn des neuen Schuljahres wegen Corona-Fällen vereinzelt Schulen wieder vorübergehend geschlossen oder Klassen in Quarantäne geschickt worden. “Bund und Länder sind gemeinsam entschlossen, eine erneute flächendeckende Schließung der Schulen nach Möglichkeit zu verhindern”, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert nach dem Treffen.

Im Frühjahr waren die Schulen wochenlang geschlossen. Bis zu den Sommerferien gab es danach meist nur eingeschränkten Betrieb. Dabei waren die Defizite bei der Digitalisierung der Schulen deutlich geworden. Fernunterricht und Kommunikation auf elektronischem Wege funktionierten während der Schulschließungen nur bedingt. Bildungsgewerkschaften hatten darauf verwiesen, dass es in manchen Haushalten keinen Computer gibt und außerdem bemängelt, dass Lehrer ihre Privatrechner nutzen müssen und dabei Gefahr laufen gegen Datenschutzbestimmungen zu verstoßen, wenn sie darauf sensible Schülerdaten, wie Noten, Zeugnisse oder Bewertungen speichern.

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DigitalPakt Schule: Was soll erreicht werden? Wie viel Geld steht bereit? Wann und wie können Fördermittel beantragt werden? Das Bundesbildungsministerium beantwortet häufig gestellte Fragen rund um die digitale Ausstattung der Schulen:

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One comment

  1. Siegfried Marquardt

    Es ist absolut nicht nachzuvollziehen, dass nach über zwanzig Jahren mit der durchgehenden Digitalisierung der Schulen nunmehr begonnen werden soll. Und daraus macht die Bildungsministerin, Anja Karliczek (CDU) auch quasi noch eine Erfolgstory, indem sie formulierte, dass der Schulgipfel, wo u.a. auch das Projekt der durchgehenden Digitalisierung der Schulen behandelt wurde, „wegweisend“ gewesen sei. Es muss schon man die Frage erlaubt sein, in welcher Welt die Bildungsministerin lebt und welche Kompetenzen diese Frau in Bildungsfragen eigentlich besitzt (diese Frage müssen sich übrigens auch die Kultusminister der Länder und die Mitarbeiter der Bildungsministerien stellen). Hätte sie nur einmal ein Lehrbuch der Mathematik der oberen Klassenstufen aufgeschlagen, dann hätte sie eine CD entdeckt, die bereits seit fünfzehn Jahren pro Lehrbuch vertrieben wird. Dies impliziert, dass in einigen Schulen (Klassen) diese CD, die zum Lesen einen Computer erfordert, für die Fundierung des Lehrstoffes überhaupt nicht zum Einsatz gelangte, und damit der vermittelte Lehrstoff logischer Weise große Lücken aufgewiesen haben muss. Generationen von Schülern wurden so um profundes Wissen im Fach Mathematik geprellt. Dass die kleinen Länder wie Dänemark und Finnland, wo bereits seit Jahren die Digitalisierung durchgehend forciert wurde Deutschland was vormachen, ist einfach skandalös. Und die Bereitstellung von finanziellen Mitteln Höhe von 6,5 Milliarden Euro zur Digitalisierung der Schulen reichen vorne und hinten nicht. Bei ca. 32.000 allgemeinbildenden Schulen wären dies pro Schule rund 206.000 Euro. Für den Administrator ständen pro Jahr bereits ca. 60.000 zu Buche. Für einen hochqualitativen Server mit adäquater Speicherkapazität (aktueller Hardware und CPU-Prozessor,…) wären etwa 10.000 Euro zu veranschlagen. Da 8,3 Millionen Schüler die ca. 32.000 allgemeinbildenden Schulen besuchen, müssten pro Schule im Durchschnitt ungefähr 260 Laptops geordert werden. Bei einer guten, mittleren Preisklasse von 1000 Euro pro Laptop wären hier 260.000 Euro zu investieren (bei einer geringen Preisklasse 130.000). Bei 25 Klassen pro Schule im Durchschnitt wären mindestens 25 Drucker erforderlich, wobei man hier gut 10.000 Euro einplanen muss. Dabei ist nicht einmal die Summe für die Installation der Computerkonfigurationen und der Kompetenzzentren zur Qualifizierung der Lehrer mitkalkuliert worden. Ja und dann sind die Server auch noch ans Internet anzuschließen – hier werden nicht unwesentliche finanzielle und materielle Mittel erforderlich! Und letztlich noch die Kardinalfrage: Bis wann soll das Megaprojekt realisiert worden sein? Der Berliner Senat will dies in 15 Jahren geschafft haben, wie man kürzlich unken hörte. Dann wird Deutschland zum technologischen Entwicklungsland degeneriert sein.
    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen
    P.S.: Der Bildungsgipfel hatte doch etwas Gutes an sich: Jetzt wissen wir, wie Klassenräume richtig zu durchlüften sind und wie man den Krankenstand der Schüler erhöht.

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